Das Grundlegendste im Leben mit Kleinkindern ist für mich, genügend Schlaf zu bekommen. Wenn ich zu wenig geschlafen habe, bin ich am Morgen ein unausstehlicher, jähzorniger, bösartiger Zombie. Meine Jungs können davon einige Liedchen singen. Ich bin dann jeweils nicht in der Verfassung zu singen. Ich keife dann nur. Und motze. Und klöne.

Nun haben wir das grosse Glück, dass unsere Buben schon seit längerer Zeit durchschlafen und wir, sobald sie im Bett sind, unsere Ruhe haben. Natürlich würden wir, wenn wir um Mitternacht ins Bett fallen, am Morgen gerne etwas länger liegen bleiben – schliesslich haben wir ja Urlaub. Das können wir natürlich vergessen. Dabei kann man Jakob, sollte er bereits um sieben Uhr ans Aufstehen denken, relativ einfach davon überzeugen, doch noch eine kleine Runde zu mützen. Bei Vincent ist das schwieriger. Sprich: Unmöglich.
Macht der die Augen auf und es ist hell, so wie in Norwegen gefühlt ab drei Uhr früh, dann will er sich ins Abenteuer Leben stürzen, auch wenn die Müdigkeit ihm noch fies in den Knochen sitzt. Ich habe schon versucht, einfach nicht auf sein frühzeitiges Geplapper zu reagieren, bocksteif im Bett liegen zu bleiben und die Atmung so flach wie möglich zu halten – Vincent ist mit dieser Taktik tatsächlich auch schon wieder eingeschlafen, ich lag dann allerdings mit überhöhtem Blutdruck hellwach im Bett und hatte danach übelste Nackenverspannungen.
Der Gerechtigkeit wegen handhaben wir es derzeit so, dass wir in zwei Schlafzimmern nächtigen und uns mit den Jungs abwechseln. Wer bei Jakob schläft, darf sich auf einen gesunden, langen Schlaf freuen, auch wenn man zwischendurch mit einer fiese Ferse im Gesicht oder einem Knie in der Magengrube rechnen muss. Wer mit Vincent an der Reihe ist, hat die Arschkarte. Gut möglich, dass der Kleine bis halb neun selig auf dem Rücken liegt. Aber in der Regel muss man ab 6 Uhr früh damit rechnen, das kuschelige Nest fluchtartig zu verlassen, denn wenn Vincent aufstehen will, dann kennt er kein Pardon. Dann wird er laut. Und dann muss man schnellstmöglich handeln, um im Nachbarzimmer niemanden unnötig zu wecken.



Tja, was soll ich sagen – die Nacht nach unserem Ausgang war Tom dran mit dem Vincent-Zimmer. Hähä. Und da Jakob zu Hause vor dem Fernseher gewartet hat, bis wir wieder daheim waren – er wollte partout nicht von Mathilde ins Bett gebracht werden – schlief er am Morgen entsprechend länger. Lucky me. Auch heute kann ich mich wieder auf eine entspannte und lange Nacht freuen. Morgen ist Samstag und wir haben bereits einen Tisch in einem Thai-Restaurant am Flussufer reserviert, denn Mathilde kommt – dieses Mal mit Verstärkung einer Freundin. Ich möchte nicht wissen, wie ich am Sonntag früh aus der Wäsche gucke.



