Wehmut.

Mehr als drei Wochen lebten wir in diesem hübschen, roten Holzhäuschen in Norwegen. Wir erkundeten das nahegelegene Umland, die Dörfer und Städtchen, wir badeten in Seen und im Meer, wir schleckten Glacé, tanken Wein auf der Veranda, waren zwei Mal alleine im Ausgang, grillierten, spielten Fussball im Garten, fuhren Velo und genossen den nordischen Sommer. Und dann plötzlich heisst es: Abschied nehmen.

Jetzt könnte man meinen, nach dieser langen Zeit kommt ein Abschied eigentlich nicht so plötzlich. Kam er aber. An einem Mittwoch. Montags arbeitete Tom, Dienstags eigentlich ich – allerdings war Vincent krank, hatte hohes Fieber und wir suchten dann doch noch einen Arzt auf, um sicher zu gehen, dass der Kleine für die lange Heimreise fit genug war. Er hatte eine Angina und wir mussten ihn mit Schmerzmittel vollpumpen, damit er essen und sich wieder erholen konnte.

Nebenher haben wir geputzt. Denn das ist Ehrensache: Wenn unsere Tauschfamilie zurück nach Hause kommt, soll sie sich sofort wieder wohl fühlen. Als die Buben im Bett waren, haben wir also bereits Tage vor Abreise die Fetthändchen-Abdrücke von den Fensterscheiben und den Spiegeln entfernt, den Grill gereinigt, abgestaubt, sämtliche Duplos und Autöli unter den Möbelstücken hervorgekramt, die vor Vincent in Sicherheit gebrachten Deko-Gegenstände wieder auf den Sideboards und Fensterbänken drapiert, die Küche geschrubbt, das Bad poliert, gepackt.

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Unser Wohnzimmer – hoffentlich wieder ähnlich schön hergerichtet wie bei unserer Ankunft. Wobei – das Tischdeckeli ist schräg. Das hab ich dann schon noch gerichtet, im Fall.
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Die Küche. Hier sind wir jeden Tag gesessen und haben den Tisch, die Stühle und den Boden versaut. Mehrmals pro Tag.

Am Nachmittag vor unserer Heimreise durfte Jakob zu Birk, dem Enkel unseres Tauschpaares, zum Spielen, damit wir dem Haus in Ruhe den Feinschliff geben konnten – Vincent schlief derweil über weite Strecken seinen Virus aus. Jakob und Birk waren vom ersten Moment an ein Herz und eine Seele und als wir am Abend nach dem Putzen zum Nachtessen vorbeikamen, war Jakob bereits ziemlich wehmütig, weil er den nahen Abschied erahnte. Für ihn war es in der ganzen Zeit im Norden immer wieder schwierig, adieu zu sagen. Sei es auf dem Spielplatz, wenn er eine nette Spielgefährtin gefunden hatte oder eben bei Birk, seinem Buddy, den er sehr schnell und sehr fest ins Herz schloss.

Für Jakob war vermutlich auch nicht ganz klar, wohin wir nun fahren, als wir am Mittwochmorgen sagten: «Jetzt fahren wir heim». Weil Zuhause, das war für ihn nun Norwegen, Birk, das Häuschen am Fluss, der Garten. So fragte er unterwegs denn auch oftmals «was gömmer go aluege?», weil er sich gewohnt war, dass wir jeden Tag irgendwohin fuhren, um gemeinsam etwas zu unternehmen. «Wir gehen nichts angucken, Jakob, wir fahren jetzt nach Hause.» Seufzen.

Seufzen auch bei Tom und mir am Abend vor der Abreise. Ein Haustausch ist doch immer auch ein Heimkommen. Wir lebten nicht in irgendeinem anonymen Hotelzimmer oder einem töteligen Appartement, sondern in einem Zuhause. Und so fühlten wir uns auch von der ersten Stunde an in unserem Häuschen daheim. Umso wehmütiger sassen wir am letzten Abend auf der Veranda und blickten auf den Fluss. Ein letztes Mal. Heinomol, schon vorbei das Ganze. Wie schön es doch war. Und wie gut es uns tat. Und wie sehr wir zusammengewachsen sind. Danke, Trine und Øyvind, dass wir in eurem wunderschönen Zuhause so willkommen waren!

 

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Tschüss E-Bikes – es war uns eine Freude!
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Byebye Fredrikstad – wir hätten hier problemlos noch ein paar weitere freie Abende geniessen können!
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Adieu Brüggli!
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Salü Bob, ich bin gerne mit dem Velo an dir vorbei gefahren.
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Es hätte hier noch viel zu tun gegeben!

Ein Gedanke zu „Wehmut.

  1. We are so happy for the exchange- we had a wonderful time in your home! And our home was shining when we came back. We hope we will meet again! Hug from us

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