Es gab einmal Zeiten, da umfasste eine SMS maximal 160 Zeichen, kostete Geld und Senioren interessierten sich nicht dafür. Heute können wir uns so viel und so lange Texte schrieben wie wir wollen und Senioren sind mit Smartphones ausgerüstet. Die kürzeste SMS von meiner Mutter umfasst in der Regel ca. 1’600 Zeichen und enthält etwa 16 komplexe Fragen, die man nicht in einer SMS beantworten kann. Antwortet man mal nicht, folgen weitere SMS, die die Komplexität zusätzlich erhöhen. Ein Teufelskreis.
Nun sind wir ja auf Reisen und da sind Eltern und Grosseltern stets besorgt. Das werde ich auch einmal sein. Am Tag vor der Reise in die Beskiden kommt schon die erste Warnmeldung von Babička: Text, Text Text….es ist ganz schön weit weg. Fahrt vorsichtig und rechnet mit grossen Verspätungen auf den Autobahnen. Sobald ihr da seid, meldet euch bitte und lasst mich wissen, dass ihr gut angekommen seid. Fahrt vor allem vorsichtig. Die Tschechen fahren wie Sau (Sau mit emojis ausgedrückt)…Text, Text, Text…Geht nicht mit den Kindern in den Wald. In Mähren und der Slowakei sind die Wölfe und Bären zurück. Informiert euch immer vorab bevor ihr mit den Kindern irgendwo hin geht. Text, Text, Text, Text, Text.

Kurz überlege ich mir noch den Kauf von Glocken und Trillerpfeifen – bestimmt hätte es ein Vietnamesen-Shop auch im Angebot. Warnwesten haben wir ja im Auto, die können wir ja dann anziehen wenn wir die 15 Meter von unserem Ferienhäuschen in den Frühstücksraum gehen.
Tatsächlich liegt unsere Unterkunft fernab von aller Zivilisation. Der Hof hier oben ist ein kleines Idyll. Wir werden von Hunden, Hühnern und der Gastgeberin begrüsst und kriegen nebst einem Slivovice-Begrüssungsgläschen, das Janine nicht ohne deutliches Erkennen von Abscheu zu sich nimmt, auch eine kleine Führung geboten. Man zeigt uns äusserst süsse Jungschweine und auch deren unattraktive Mutter. Auf dem Hof leben auch noch Kühe, Lamas, schottische Hochlandrinder, Enten, Hasen und ein Truthahn mit verletztem Fuss. Und jetzt kommt das Aufregendste: wir durften den Truthahn streicheln. Und ich gebe zu, es braucht etwas Überwindung, denn beim Anblick eines Truthahns denkt man ja nicht sofort: den will ich jetzt aber so was von knuddeln. Jedenfalls können wir berichten: so ein Truthahnkopf bzw. alles, was da so herumhängt, ist unglaublich zart und fühlt sich sehr angenehm an. Vor lauter Aufregung haben wir vergessen, die Gastgeberin nach den Wölfen und Bären zu fragen. Ach herrje, wenn das mal gut kommt.



Unser Aufenthalt ist schön, doch leider schüttet es die meiste Zeit in Strömen und es ist kalt. Prompt folgt die nächste Warnmeldung von Babička: Ihr solltet wohl besser zurück nach Prag fahren. Ich lese gerade, dass in Mähren die Flüsse über die Ufer treten, insbesondere kleinere Flüsse und die Zuflüsse. Es wird weiterhin stark regnen, also schaut, dass ihr noch wegkommt. In der Zliner Region musste die Feuerwehr schon mehr als 40 mal ausrücken wegen überschwemmter Keller…Text, Text, Text, Text, Text, Text.
Da hat Babička schon recht. Die Wetterlage ist mies und wir bekommen auf unserer Fahrt nach Zlin verschiedene Feuerwehreinsätze zu sehen und durchqueren einige leicht überflutete Strassen. Trotzdem: kein Grund zur Sorge. Den regenreichen Mittwoch verbringen wir im Bata-Museum und wenn es ganz schlimm kommt, schauen wir uns auch noch das im Zliner Tourismusführer empfohlene Museum für Kastrationen an. Wenn hier das Leid der Tiere auf eindrückliche Weise gezeigt würde, könnten wir vielleicht auch das leidige Thema Vasektomie für immer ad acta legen. Aber es kommt nicht so weit. Wir kehren zurück in unser Ferienhäuschen. Unser Haushund empfängt uns mit gesundem, wedelndem Schwanz und kriegt im Gegenzug Streicheleinheiten – so soll es sein! Darüber hinaus freuen wir uns über 30 Minuten Regenauszeit.


Am nächsten Tag geht es ab in den Süden, nach Mikulov, und wir warten jetzt schon gespannt, über welche Gefahren wir demnächst von Babička informiert werden 😉!
Ich lach mich grad schlapp! Wenn DAS die Babička liest…!