Immer wenn ich mich auf die Toilette setze und 10 Sekunden später die Tür aufgerissen wird, geht mir «Public Viewing» durch den Kopf. Wenn es beim Viewing bleiben würde, wäre ich ja ganz zufrieden. Aber nein, oftmals fällt Jakob auch gleich ein, dass er just in diesem Moment unbedingt ein paar Papierchen in die WC-Schüssel werfen muss. Und dann bitte sofort auch spülen. Oft kriecht ihm Vincent hinterher, der per Zufall gerade jetzt die WC-Bürste etwas genauer unter die Lupe nehmen möchte. Im schlimmsten Fall lässt sich dann gerade auch das Hotelputzpersonal blicken. Es ist schrecklich.
Reisen mit Kindern ist kein Zuckerschlecken. Morgens, genauer gesagt sehr früh morgens, fangen einen die grosszügig mit Sabber benetzten Händchen an zu tätscheln. Es folgt der Griff zur Nase und der Einsatz der niedlichen aber durchaus spürbaren Fingernägelchen. Jakob unterstützt Vincent mit einer Lichtshow – Nachttischlampe geht an, aus, an, aus – und repetitivem «Papi»-Ruf. Eines Morgens war es aber auch ganz ruhig. Nichtsahnend öffne ich die Augen und «zack» blicke in vier wache, beobachtende Kinderaugen. Die schauen einen einfach nur an. Merken die aber, dass sich mein Augenlid geöffnet hat, geht es gleich schon los: «Papi ufstoh! Ufstoh, Papi!»
Das Abenteuer dieser Reise besteht über weite Strecken in der Unberechenbarkeit der Kinder. Es gibt Tage, die beginnen mit Forderungen, gefolgt von Verhandlungen, Sitz- oder Stehstreiks, Schreiattacken und zum Tagesabschlussabends folgt die unermüdlich eingeforderte Verlängerung der Schlafensdeadline. In der Kommunikation setzten die Kinder fast nur den Imperativ ein, wobei Jakob seine Befehle klarer formuliert.



Es kann aber auch anders ablaufen. Dann führen wir lustige Gespräche mit Jakob, Vincent beschenkt uns den ganzen Tag mit seinem süssen Strahlen und beim Spielen herrscht Harmonie zwischen den Jungs. Die Kinder geniessen augenscheinlich den Ausflug, marschieren wie die Grossen und meckern nur wenn sie hungrig sind oder wenn die Windel voll ist. Abends fallen sie todmüde und zufrieden ins Bett.
















Egal wie der Tag auch war – wenn sie im Bett sind und tief schlafen sitzt man noch etwas zusammen und bestätigt sich gegenseitig, was für wunderbare Kinder man doch hat!