Es ist ja so: Wir sind nun seit über einem Monat zu viert unterwegs. Und ehrlich gesagt, habe ich mir im Vorfeld ausgemalt, dass ich in dieser Zeit auch mal eine Gesichtsmaske auflegen, in einem Buch schmökern oder etwas auf der Klampfe rumzupfen könnte. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass wir in der Kinderbetreuung massiv unterbesetzt sind. Wie uns schon unsere guten Freunde Renä und Chaschper immer sagten: Der optimale Betreuungsschlüssel für zwei Kinder sind vier Erwachsene. Jepp. Fehlen zwei.

So waren wir zu Beginn unserer Reise chronisch übermüdet und oftmals leicht gereizt. Ich hatte mir die Entlastung grösser vorgestellt und Tom erlitt einen Schock, da er von zwei bis drei Tagen Kinder pro Woche auf sieben Tage rund um die Uhr umstellen musste. Es schien, als hätten wir keine Stunde für uns zwei, geschweige denn eine Minute für uns alleine, als würden wir nonstop Windeln wechseln, Nahrungsmittel organisieren, Rucksäcke packen und Nuggis suchen. Waren die Kinder im Bett, schafften wir es gerade noch für eine Umarmung und die Planung des kommenden Tages. Dann: gute Nacht.

Unterdessen haben wir uns etwas an die Situation gewöhnt. Wir haben uns unmerklich entspannt, obwohl wir nie mit einem Buch an der Sonne lagen, keine Nacht um die Häuser zogen und kein einziges Mal ausgeschlafen haben. Mit Jakobs Trotz-Attacken gehen wir irgendwie entspannter um. Er will mit dem Pijama ins Museum? Soll er doch. Vincies unbändigem Hunger begegnen wir mit Bananen. Was? Der hatte heute schon drei? Na dann isst er eben noch eine. Pizza? Rein damit. Gulasch? Kann für einen Elfmonatigen nicht allzu schädlich sein. Vincent freut’s. Jakob ebenso.

Dennoch sehen wir uns hin und wieder in die Augen und ich weiss genau, was er denkt, mein Mann. «Grauenhaft anstrengend, unsere Auszeit. Aber auch unsäglich schön.»


