Auf Malle gibt es das «Inselradio» mit der «besten Musik aller Zeiten von der schönsten Insel der Welt», so wird jeweils gut gelaunt verkündet. Ich kenne den deutschen Sender schon von früheren Aufenthalten und eigentlich finde ich es eine gute Idee, auf einer Insel mit 900’000 Einwohnern, von denen rund 20’000 deutsche Einwanderer sind, ein solches Radio zu lancieren. Da gäbe es viele spannende Themen, zu denen Interviews geführt und Reportagen entwickelt werden könnten. Ich hätte da zumindest einige Ideen.
Wie integrieren sich die Einwanderer auf der Insel? Wo arbeiten sie? Mit welchen Schwierigkeiten haben die Deutschen hier zu kämpfen? Mit welchen die Spanier? Wie hat sich Mallorca in den vergangenen 50 Jahren verändert? Was denken die Spanier darüber, dass allein im vergangenen Juli 4 Millionen Deutsche auf der Insel gelandet sind? Wie entwickelt sich die Insel architektonisch? Welche wirtschaftlichen Projekte stehen an? Wie steht es um die Politik?
Stattdessen: Das Wetter. «In Frankfurt regnet es bei 15 Grad, in München gar bei grausligen 11 Grad, in Berlin scheint zwar die Sonne, es hat aber nur 18 Grad – auf Mallorca hingegen … » Alle fünf Minuten kann ich mir das Wetter in Deutschland im Vergleich zum Inselwetter anhören und wenn gerade mal nicht auf dem ganzen Eiland die Sonne scheint, gibt es Umfragen dazu, wer in welcher Ecke Malles gerade an der Sonne brutzelt – nur um zu zeigen, dass diese Insel doch grossartig, wunderschön und wettertechnisch enorm privilegiert ist. Gääääähn.
Ebenfalls laufend dokumentiert werden die An- und Abflüge und die abgefertigten Touristen auf dem Flughafen Palma. «836 An- und Abflüge gibt es heute, 185’379 Menschen kommen an oder reisen ab. Das stimmt mich ehrlich gesagt auch nicht gerade fröhlich, denn da drängen sich mir doch eher Fragen nach Umweltproblemen auf oder nach der gigantischen Logistik, welche ein Besucheransturm von rund 12 Millionen Touristen jährlich voraussetzt. Ich vermute überdies, dass das Radio im Winterhalbjahr jeweils den Betrieb einstellt – worüber wollen die denn von Oktober bis April berichten und wen könnte das wohl interessieren?
Nun habe ich mir das Wetter der kommenden Woche angeschaut. Und bin ganz gespannt, was sie dazu im Inselradio alles zu sagen wissen. Notfalls könnten sie sich ja einfach mal auf die «beste Musik aller Zeiten» konzentrieren – auch da gäbe es nämlich mächtig Luft nach oben.






Hihi – den Bauernkalender kannte ich ja noch gar nicht. Musste herzlich lachen.