Zweieinhalb Monate sind wir nun bald unterwegs – es naht die Halbzeit unserer Auszeit. Derweil sitze ich vor dem riesigen Fenster unseres Tausch-Häuschens in Odense und sehe vor mir sehr, sehr viel Grün. Ich bin drinnen an der Wärme, weil 14 Grad mich nicht so sehr motivieren, es mir mit dem Laptop auf der Hollywoodschaukel im Garten gemütlich zu machen. Dafür bleibe ich vor fiesen Mückenattacken verschont. Gestern konnten wir durch das grosse Fenster ein Reh im Garten beobachten. Viel Natur hier. Viel Ruhe. Viel Schön.
Die Kinder schlafen, heute waren wir im Legoland und sind alle etwas erschlagen. Im Positiven. Es war ein grossartiger Tag. Wir haben viel gesehen und erlebt. Manchmal frage ich mich, ob wir je wieder in den normalen Alltag zurückkehren können. Es ist einmalig, so viel Zeit zu haben. Ein Geschenk. Und ich spüre, dass ich jetzt, nach all den Wochen, wirklich entspannt und rundum zufrieden bin. Ich habe nach dem Marathon des vergangenen Jahres einige Zeit gebraucht, um das Hier und Jetzt in vollen Zügen zu geniessen und diese wohltuend entspannte Leere in mir zu haben. Zusammen mit der Völle an Leben. Kaum vorzustellen, dass wir im «real life» diesen Zustand in nur zwei Wochen erreichen müssen und dann bereits die Hälfte unseres Jahresurlaubs aufgebraucht haben.










Wenn wie jetzt die stillen Stunden des Tages angebrochen sind, haben wir Zeit, um gemeinsam ein Glas Wein zu trinken, zu diskuschwadronieren und zu philosobrünzeln. Wir schreiben, arbeiten manchmal noch ein wenig und heute steht noch eine Klavierstunde an – Tom will sich endlich auch mal an die Tasten setzen und da meine Fähigkeiten extremst begrenzt sind, kann die Stunde keine 60 Minuten dauern. Wir müssen aber noch ein wenig warten, bis die Kinder tief schlafen, denn der Flügel im Wohnzimmer hat eine gewisse Lautstärke.
Mein Buch habe ich immer noch nicht angefasst. Was aber nicht an der mangelnden Zeit liegt, sondern daran, dass ich jeden Tag so viele neue Inputs bekomme, dass ich am Abend lieber das Erlebte verarbeite, als noch mehr Neues aufzunehmen. Die Zeit macht was mit mir. Ich glaub was Gutes. Ich bin komplett entschleunigt. Die abwechslungsreichen Tage sind wunderbar. All diese Dinge mit meinen Buben erleben zu dürfen ist ein Segen. Ein Städtetrip, ein Tag am Strand, Zeit auf dem Spielplatz, ein Besuch des Freilichtmuseums – je nach Wetter halt. War ich bisher immer ein grosser Fan des immer gleichen Alltags, freu ich mich jetzt plötzlich auf täglich neue Abenteuer.











Dabei sind diese durchaus nicht immer nur zauberhaft. Wir waren zum Beispiel im Eisenbahnmuseum diese Woche. Es war Regen vorhergesagt. Schon beim letzten Regen wollten wir dahin, aber dann sind uns die Buben nach zehn Minuten im Auto eingeschlafen, so dass wir noch eine Runde über die Insel gefahren sind und dann war’s zu spät. Dieses Mal sind wir früher los. Und als wir im Parkhaus ausgestiegen sind, sagte Jakob: «Mami, Bisi chunnt». «Ja gut», sagte ich, «du hast ja eine Windel an». Allerdings verfärbte sich dann auch schon seine Jeans und ein Rinnsal lief über die Schuhe. Tja, Mutti, vergessen das Schnäbi richtig einzupacken am Morgen! Wir legten ihn in den Kofferraum zum Wickeln – alles war nass, draussen war’s kalt und wir hatten natürlich keine Ersatzkleider dabei. Was tun? Kinderwagen wieder zusammenlegen, Kinder wieder ins Auto packen, Parkgebühr bezahlen, nach Hause fahren, Jakob neu einkleiden und das Ganze nochmal von vorne.

Ähnliches ist uns auch mitten in Odense passiert, als wir gemütlich draussen (mit Wolldecke unter einem Heizpilz) einen Tee tranken und die Kinder auf dem Spielplatz nebenan spielten. Vincent hatte plötzlich ein nasses Füdli. Ich nahm ihn mit zum Wickeln und sah, dass da mehr war als nur nass. Sprich Scheisse von den Schultern bis zu den Socken. Ersatzkleider? Leider nein. Ich zog ihn also aus, verbrauchte sämtliche Feuchttücher, die ich finden konnte, wickelte ihn in meine Jacke und setzte ihn zu Tom unter den Heizpilz, um kurz im nächsten H&M Ersatzkleider zu kaufen. Es geht immer. Irgendwie.
PS: Unterdessen ist Mitternacht. Und Tom sitzt noch immer am Klavier. Und flucht mitunter wie ein Kesselflicker.

Ihr Lieben, geniesst weiterhin eure Auszeit gemeinsam mit euren Buben! Sie erinnert mich fast ein wenig an die erste Zeit nach unserer Pensionierung: nichts (oder fast nichts) mehr tun zu müssen, nur zu dürfen, viel freie Zeit zu haben, nichts grossartiges zu planen. Wir wünschen euch eine gute Weiterfahrt und erlebnisreiche, spannende und schöne Wochen in Norwegen! Mami, Papi, Grosi, Dädi, Ruth und Charly
Dear Janine and Thomas, Jakob and Vincent
It was great to follow your adventure – especially your time in Odense – here. While you have been „enjoying“ the Danish wheather (sorry about that), we have been enjoying your wonderful apartment and beautiful Switzerland. Thank you so much for this home-exchange, it has been great! We have been exploring Basel and Rheinfelden, have hiked in the beautiful nature, have swimmed in the Rhein, been at the Design Museum, and tried two Escapegames at Courtetelle (the favourite of our family of four with two big boys). One of the major advantages of the home-exchange is, that you actually have a new home in a new place for a short while. After having been on adventures, you can play the piano, build lego, play cardboard games, watch movies, relax and enjoy being together, whatever you feel like at your temporary home, and it is just fantastic.
Thank you so much for now – we wish you a wonderful journey and all the best 🙂
Best wishes
Oskar, Johan, Rolf and Christina