Bata-City.

Über das Wetter zu lamentieren macht wenig Sinn, daher nur soviel; es kostet uns derzeit einige Energie und Nerven. Den Wintermantel, den ich eigentlich gar nie mitnehmen wollte, hat mich bislang fast täglich vor dem Kälteschock gerettet, alles ist voll mit nassem Sand, steht vor Dreck und bläääärgh.

So war auch der Besuch der Batastadt Zlín ein wettertechnisches Notfallprogramm. Es regnete in Strömen bei 8°C – wir logierten auf einem Bauernhof und hätten gerne einen Tag bei den Tieren verbracht, doch das war mit Blick in den Himmel nicht wirklich eine Option. Also ab ins Auto und auf nach Zlín.

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In Zlín baute Tomáš Baťa seine «ideale Industriestadt», die auch als «Manchester der Tschechoslowakei» bekannt wurde. 

Was wir vom Bata-Areal in Möhlin her kennen, überraschte uns in Zlín in einem weit beeindruckenderen Mass. Zugegeben, schön ist die Stadt nicht wirklich, vermutlich auch bei Sonnenschein nicht, aber eine Stadt zu besichtigen, die wie kaum eine andere in Europa von einem einzigen Unternehmen geprägt wurde, war für uns spektakulär.

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Neben den Industriebauten liess Bat’a auch Wohnviertel, Internate, Berufsschulen für die Lehrlinge, Spitäler und Sportplätze, Schwimmbäder, Bibliotheken und grossstädtisch wirkende Repräsentativbauten errichten.
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Zlín sollte die Idealstadt der «glücklichen Arbeiter ohne Gewerkschaften» werden,

Ende des 19. Jahrhunderts gründeten die Geschwister Tomáš, Antonín und Anna Baťa eine Schuhfabrik und machten Zlin zu einem Zentrum der Schuhproduktion. Während des 1. Weltkrieges lieferte Baťa Millionen von Schuhe an die österreichisch-ungarische Armee. Nach dem Krieg sank die Nachfrage, worauf das Unternehmen seine Schuhe um 50% verbilligte. Ein Geniestreich, denn so konnte sich plötzlich jeder Schuhe leisten und Bata gewann auf einen Schlag tausende neue Konsumenten.

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Im Bata-Museum bekamen wir einen Eindruck davon, wie weitreichend Batas Einfluss auf das Leben der Stadt war.
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Bata war auch ein Kunstsammler und Mäzen. Zudem baute er Autos und Flugzeuge – mit einem kam er dann auch ums Leben, auf dem Weg nach Möhlin, übrigens.
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Sogar eine kleine Kinderecke gab’s im Bata-Museum. Halleluja!
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Bei Bata gab es sehr gute Löhne und stets die neusten Maschinen, die den Arbeitern möglichst viele Handgriffe abnehmen sollten – wer bei Bata Arbeit fand, konnte sich glücklich schätzen. An die 10’000 Arbeitnehmer beschäftigte das Unternehmen in Zlin.

Bis 1938 baute Baťa die Fabrik mit dutzenden Gebäuden aus und produzierte neben Schuhen auch Gummi, chemische Produkte, Textilien und Maschinen. Zudem baute Tomáš Baťa während seiner Zeit als Bürgermeister der Stadt drei Warenhäuser, ein Hotel, ein Kino, ein Krankenhaus, Schulen, Filmstudios und tausende Häuser. Heute würde man sagen: Der Mann ist dem Grössenwahn verfallen – komplett irre, eine Stadt dermassen zu seinem Spielplatz zu machen.

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Tomáš Baťas Büro wurde in einen Aufzug eingebaut, mit Telefonen, Klimaanlage, Waschbecken – nach wie vor ein Meisterwerk der Technik.
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Doch nicht nur das Büro – das ganze Verwaltungsgebäude ist ein architektonisches Meisterwerk. Es war zu seiner Zeit einer der höchsten Bauten Europas (77.5 Meter, 17 Stockwerke). Jedes Stockwerk bietet eine Bürofläche für 200 Mitarbeiter. Das Gebäude ist komplett mit Klimaanlagen ausgestattet – und das 1938!
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Pater Noster im Verwaltungsgebäude – nach wie vor in Betrieb. Wir nahmen dann aber doch lieber den herkömmlichen Lift.

Gerne wären wir noch länger durch die Strassen flaniert und hätten uns die Einfamilienhaus-Quartiere angesehen, aber eben, das Wetter…

Ein Gedanke zu „Bata-City.

  1. Auszug aus einem Brief von Georg Honigmann, https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Honigmann_(Journalist):
    „Ich möchte ein Loblied auf meine wanderschuhe einflechten, die mir 1948 Genossen aus der ehemaligen Bata-Fabrik in Zlín, jetzt Gottwaldow, schenkten, und die mich bis jetzt 17 Jahre treu und ohne Fehl über Stock und Stein getragen haben. Sie sind eigentlich mein einziges irdisches Gut, an dem mein Herz hängt….

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