Downtown Baby.

Vielleicht denkst du dir: Mit zwei Kleinkindern in die Grossstadt zu reisen, ist etwas gaga. Jepp, teilweise schon. Prag strengt an. All die holprigen Pflastersteine. Trottoir-Rändli von mindestens 20 Zentimetern Höhe – auch bei Fussgängerstreifen. Treppen. Endlose Treppen. Einen Wickeltisch haben wir bisher kaum gefunden, bei Sonnenschein wickeln wir daher irgendwo im Park, ansonsten auf einem Klodeckel oder im Stehen. Stillgelegenheiten? Žádný. Keine. Überdies sind die alten Trams eine Katastrophe – drei Treppenstufen, rund einen Meter in die Höhe muss man den Kinderwagen hieven, alleine ist das nicht zu schaffen. Die Trams sind oft überfüllt, pro Tram gibt es lediglich zwei Quadratmeter Platz für Kinderwagen. Blääärgh.

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Ein sehr kleiner Ausschnitt vom Spielplatz-Paradies im Rieger Park

Und dann gibt es diese kinderfreundliche Seite: Mit Kleinkindern bis drei Jahren fährst du kostenlos mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln. Wie geil ist das denn? Kommst du schwanger oder mit Kind ins Tram, stehen sofort mehre Menschen auf, um dir ihren Platz anzubieten (ausser es sind Touristen). Zudem gibt es ganz wunderbare Parks mit grossartigen, riesigen Spielplätzen, Spielgeräte, wie ich sie noch nie gesehen haben – und selber eigentlich auch gerne mal benützen würde.

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Guckst du Mann mit gelber Weste im Hintergrund: Mindestens 2 Promille intus, hat mich aber sehr resolut zusammengeschissen. ERWACHSENE DÜRFEN NICHT AUF DIE SPIELGERÄTE. Heilandsack.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass alle Spielplätze eingezäunt sind und die meisten auch über eine Aufsichtsperson (oft ziemlich versifft und vermutlich dem Alkohol verfallen) verfügen. Diese Aufsicht scheisst dich dann zum Beispiel zusammen, wenn du dich mit dem Kleinen auf ein Karrussell setzt, das nur für Menschen bis 12 Jahre erlaubt ist. Sie schaut aber auch, dass der Spielplatz sauber ist, keine Hunde herumkacken, die Toiletten (ja, hat es!!!) mit Klopapier bestückt sind und keiner auf dem Areal raucht. Die Mütter steigen dann jeweils über den Zaun, um eine zu qualmen, hähä.

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Gucken und Dreck fressen. Vincie im Element. 

Überhaupt ist die Familienpolitik in Tschechien derjenigen der Schweiz natürlich meilenweit voraus. Ist ja auch nicht allzu schwierig. In Tschechien haben Mütter UND Väter Anspruch auf Elternzeit. Bis zu drei Jahren. Auch gleichzeitig. Davon können wir Schweizerinnen und Schweizer, die wir noch um mehr als einen verf*ten Tag kämpfen, nur träumen. Die Elternzeit kann in Tschechien dann auch noch in drei Zeitabschnitte aufgeteilt werden. Hach. Sechs Wochen vor der Entbindung dürfen werdende Mütter übrigens nur arbeiten, wenn sie es ausdrücklich wünschen. Wie war das nochmal in der Schweiz? Genau. Anders.

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Unser Kletteraffe läuft zur Höchstform auf.
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Es ist ja nicht so, dass wir freiwillig auf Spielplätzen rumhängen würden. Aber wenn wir schon müssen, ist es hier zumindest ansatzweise ok. Auch wenn Tom auf diesem Bild nicht den Anschein macht, als hätte er eine Riesengaudi.
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Bei 8°C findet’s auch Jakob nur mässig lässig.
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Aber Sändele geht immer.

Ein Gedanke zu „Downtown Baby.

  1. Wie wahr! Ab nach Tschechien und das dritte Kind in Auftrag geben!
    Aber hey, die Zäune finde ich gar nicht so schlecht! Dann rennen die Kinder nicht immer weg und – jesses! – vorallem nicht auf die Strasse! Ich hätte mir das mit Max schon hin- und wieder gewünscht! Und ausserdem kann man heimlich hinterm Zaun eine paffen

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