Auf Kur.

Diese Woche reisten wir ins Westböhmische Bäderdreieck. Wir fuhren am Dienstag bei strömendem Regen in Prag los und kamen bei ebenso strömendem Regen in Marienbad an. Aussentemperatur 9 Grad. Naja. Ein ausgedehnter Spaziergang durch den Ort zeigte aber bald, dass das Wetter eigentlich ganz gut zum Flair des Städtchens passte. Der einstige Glanz des Kurortes ist zwar noch zu erahnen, bröckelt aber bedenklich.

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Herzlich Willkommen – das Begrüssungsschild am Ortseingang sagt eigentlich schon alles.
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Hier steppt der Bär definitiv nicht mehr – dafür rollen die Rollatoren.
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Ein typisches Schaufenster in der Haupteinkaufsstrasse. Ich entschied mich spontan, meinen Shoppingtrieb anderswo auszuleben.
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Man kann sich in etwa vorstellen, wie der Ort vor hundert Jahren geblüht hat.
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Heute stehen unzählige Villen zum Verkauf.
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Die Kolonnade – Zentrum des Lebens in Marienbad. Hier geht’s voll ab. Die Senioren nippen an ihren Porzellankännchen mit dem heissen Wasser der nach Schwefel stinkenden Heilquellen.
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40 Mineralquellen entspringen allein in Marienbad. In der nahen Umgebung sind es deren 100.
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Unsere Heilquelle: Regenwasser.
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Unsere Buben waren glaub die einzigen Kinder im Ort.
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Regenwetter-Belohnung: Ein schönes Gulasch mit Knödeln. Wärmt immer und bringt gute Laune.
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Da wir keinen Spielplatz gefunden haben, musste sich Jakob mit Pfützenspringen begnügen.
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Richard Wagner wurde von Marienbad im 19. Jahrhundert dermassen inspiriert, dass er hier seine Oper «Lohengrin» schrieb. Tom und ich waren uns einig: Heute würde es allenfalls noch für den Refrain eines Schlagers reichen.
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Schlechtwetterprogramm zum x-ten: Besuch vom Boheminium – dort gab es einen Spielplatz. Den einzigen, den wir in ganz Marienbad gefunden hatten.
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Vincent so: «Mir ist das Wetter vollkommen egal, Hauptsache, ich kann SCHAUKELN!»
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Jakob so: «Ich hasse meine Regenklamotten, aber wenn ich Trampolin springen kann, sehe ich kurz drüber hinweg.»
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Ich so: «Pfff.»

Hast du die blauen Ohren gesehen? Tatsächlich, es ist kaum zu glauben, aber Häsu sass auf einer Parkbank in Marienbad, erholt und erstaunlich gutaussehend von all dem Quellwasser, und wartete auf unseren Jakob. Dieser war sichtlich erstaunt, seinen besten Freund hier anzutreffen, nahm ihn in altbekannter Selbstverständlichkeit mit und stellte keine weiteren Fragen. Seither wird Häsu wieder an den Ohren geknubbelt und wir sind sicher, dass er schon bald wieder aussehen wird wie vor der Kur.

Am Donnerstag war der Himmel blau und unsere Rückreise nach Prag stand an. Weil wir aber genug vom töteligen Marienbad hatten und Karlsbad keine Stunde von Marienbad entfernt ist, beschlossen wir, dem zweiten Kurort noch eine Chance zu geben. Zum Glück. Schon die Fahrt dahin versöhnte uns mit dem Grau(en) der Vortage.

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Knapp 60 Kilometer fuhren wir durch das grüne Nichts. Es überfiel mich das akute Bedürfnis, ein Feuer zu machen und eine Wurst zu grillieren. Aber ich hielt mich zurück. In Karlsbad war dann schnell klar: Hier spielen wir Kurort-mässig in einer anderen Liga.

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Pferdekutschen, Touristenmassen, Schickimicki – here we go.

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Und natürlich nippten sie auch hier an ihren Schnabel-Kännchen, die Senioren. Und nicht nur die.
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Auch Tom kaufte sich ein hübsches Kännchen und genoss einen 60°C warmen Schwefel-Drink. Stieg dann aber zügig wieder auf Cola Zero um.
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An unzähligen Orten kannst du in solch wuuunderschöne Porzellankännchen einen Gutsch heisses Quellwasser einfüllen und dir und deinem Körper Gutes tun.
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Jakob füllte die Kanne dann an einem normalen Brunnen neben einem Gartenrestaurant. Und liess sie eine Minute später fallen. Darüber freuten sich sehr viele Menschen.
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Baufälliges Material haben wir hier keines gefunden.
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Zugegeben: Das Wetter spielte Karlsbad natürlich in die Karten.
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Auch Shopping wäre hier durchaus denkbar gewesen. Nur halt nicht mit drei Jungs im Schlepptau.

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Einen (kommunistischen) Schandfleck gibt es aber auch in Karlsbad. Das Hotel Thermal steht mitten im Zentrum. Pfui.

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